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Eine mir lieb gewordene Sache des Jahres 2024 ist die Mitgliedschaft bei UberBlogr geworden. Inzwischen bin ich über ein halbes Jahr dabei und immer noch fasziniert, wie dieses Konzept in Zeiten von Defragmentierung von Kommunikation durch Social Media immer mehr Relevanz gewinnt. Es braucht aber einen Platz für aufgeräumtes Teilen von Perspektiven, für die Manifestierung der Gedanken durch das Ausformulieren und Publizierern, für bedenkenswerte Inhalte. All das gibt es bei den teilnehmenden Blogs.

Der Ring hat inzwischen 87 Mitglieder, Tendenz steigend. Natürlich habe ich Favorit:innen, bei denen ich öfter vorbeischaue und nicht alle Blogs kann ich in der Tiefe verfolgen, die sie verdient haben (aber ich schaue immer wieder rein, versprochen). In aller Vielfalt, die die Mitglieder mitbringen, entdecke ich aber auch Gemeinsamkeiten in Interessen und Themen, die behandelt werden. Für mich ist es in all dem Schlamassel, der uns als Gesamtgesellschaft auf der Erde tagtäglich passiert, ein positiver Gedanke, dass andere Menschen “so ticken” wie ich oder zumindest es vergleichbare Elemente gibt. Zusammengehörigkeit definiert am Ende doch und nachdem das Internet in vielen Belangen nicht mehr der flauschige Hort vergangener Tage zu sein scheint, ist UberBlogr für mich ein echtes Stück gelebte Gemeinschaft.

Möge dies noch lange so bleiben - es würde mich sehr freuen.

26.10.2024

Als der Regenbogen verblasste
da kam der Albatros
und er trug mich mit sanften Schwingen
weit über die sieben Weltmeere.
Behutsam setzte er mich an den Rand des Lichts.
Ich trat hinein und fühlte mich geborgen.
Ich habe euch nicht verlassen,
ich bin euch nur ein Stück voraus.

(unbekannt)

17.10.2024

So langsam vergegenwärtigt sich uns allen, dass das Jahr nun in die Endphase einbog. Das Laub nimmt andere Farben an oder wirft sich schon in ersten Chargen ab, die Temperaturen senken sich und die Tageslichtphasen verkürzen sich immer stärker. Heißgetränke mit Kürbiszusatz verkaufen sich trendgemäß, der goldene Oktober wird gelebt. Man könnte eingehen vor Gemütlichkeit.

Mir kann der Jahresausklang gar nicht schnell genug gehen. Speziell die Jahresmitte war so kräftezehrend, dass ich mich in die letzten zehn Wochen eher schleppe als diese energisch zu bestreiten. Gerade in einer Phase wie jetzt, in der etwas Tempo rausgenommen scheint, spüre ich eine Ermüdung - körperlich und mental. Im Spiegel sieht man das deutlich, die Augenringe sprechen mich hämisch an und im Bart tummeln sich weiße Haare. Die Schläfen wirken auch etwas farbloser, 2024 hat Spuren hinterlassen. An mir, in mir. Und auch an und in denen, die mir am Liebsten und Nächsten sind.

Sich ins neue Jahr sehnen hielt ich immer für eine sentimentale Verblendung. Es wird ja nicht automatisch alles besser, weil die Jahreszahl sich um einen Wert erhöht. Der Realist in mir hat diese Geisteshaltung immer mit Skepsis beäugt. Für den kommenden Jahreswechsel bin ich jedoch bereit, diesem Denken eine Chance zu geben. Gar nicht aus einer supi-dupi-Mindset-Überlistung heraus, sondern weil ich einen Abschluss mit den Dingen brauche, die mir, die uns dieses Jahr so zugesetzt haben. Chancen für eine Reflexion, Hoffnung auf einer Erleichterung in den Themen. Etwas mehr Gelassenheit, weil nicht gleich sofort Eskalationsgefühle durch den Kopf spuken.

Ich habe nicht die Erwartung, dass mit dem 1.1. gleich alles gut wird. Das wäre auch eine vermessene Anspruchshaltung. Ich hätte einfach nur gerne das Gefühl, dass sich das kommende Jahr mehr gestalten lässt. Und wann lässt sich das besser fühlen als zum Jahresbeginn? Eben! Deswegen: 2024, bitte rausche weiter so durch wie bisher - ich habe nichts dagegen.

11.10.2024

Das Gefährliche an eigenen Websites und besonders Blogs ist ja, dass man nie zufrieden ist. So geht es mir jedenfalls. Immer wieder gibt es Elemente, die einem verbesserungswürdig ins Auge stechen. Manchmal sind es einfach nur kleine Dinge, die es zu korrigieren gilt. Zuletzt betraf dies:

  • Hintergrundfarbe (jetzt wieder ein dunkles blaugrau, auch bekannt als “Bunker”)
  • Linkfarbe (“Candlelight”)
  • Verwendete Schriftart (TwCen MT, ich mag diese 1920er-Optik)
  • Stärkere Herausstellung der UberBlogr-Verlinkungen (farbliche Absetzung, in eigene Zeile überführt)

Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass das Design Leser:innen langweilen könnte. Immerhin ist das ja auf dem ersten Blick Textwüste und wenig Bild. Mein Medium ist aber eher das geschriebene Wort und am Ende mache ich das hier ja vor allem für mich. Wer das auch lesen mag, ist herzlich willkommen - muss aber damit leben, dass das hier so aussieht, wie es aussieht. Das E/N-Prinzip gilt halt auch für Designs. 😉

Als Mitte der Achtziger Geborener sind mir natürlich alle popkulturellen Trends der 90er sehr gegenwärtig, dazu gehört auch Wrestling. Erste Berührungspunkte hatte ich damals noch in Urlauben bei meinen Bruder, wo im Fernsehen über Satellit damals noch die amerikanische Fassung von Cartoon Network und dann abends auf TNT umgeschaltet wurde, wo “WCW Monday Nitro” lief. Relativ schnell erfuhr ich aber auch von der damalig noch WWF heißenden Konkurrenz und war leibhaftiger Augenzeuge der Attitude Era. Mit der Zeit verlief sich das Interesse aber und flackert nur noch sporadisch immer wieder auf.

Eine Konstante in der Wrestling-Welt war für über 40 Jahre Vince McMahon, der die Liga seines Vaters per Management-BuyOut übernahm und den Siegeszug des Kabelfernsehens in den USA als seine große Chance begriff. In der Tat hatte er auf das richtige Pferd gesetzt und aus einer fragmentierten Landschaft voller Regionalligen ein milliardenschweres Fast-Monopol geschaffen, in dem er und auch nur er das Sagen hatte. Dabei ging er nicht zimperlich vor - gegen die Konkurrenz, gegen seine Angestellten und auch nicht gegen die Familie. All das zeigt die seit letzten Mittwoch auf Netflix publizierte Doku in sechs Teilen.

Tenor ist die Geschichte eines in der Kindheit schweren Bedingungen ausgesetzten Menschen, dessen Vater ihn nach 14 Jahren doch unter seine Fittiche nimmt und von ihm den Geschäftssinn lernt, mit dem er aus der WWWF erst die WWF und dann unter dem Namen WWE das Unternehmen macht, das heute eine gelddruckende Produktion auf höchstem Niveau ist. Doch der Aufstieg ist gesäumt von Skandalen, McMahon macht einen schwierigen Eindruck, wirkt teilweise gar angeschlagen. Am Ende windet er sich doch aus jeder Schwierigkeit raus und steht da - als wäre nichts passiert. Als hätte es die Einschläge nie gegeben oder er hätte damit nichts zu tun.

Doch irgendwann ist es der Skandal zu viel, der McMahon mit 77 Jahren zum Rücktritt zwingt. Er kommt zwar nochmal zurück, um den Verkauf seiner Firma zu vollziehen. Dann gibt es neue Vorwürfe, Klagen auf Bundesebene und den endgültigen Rücktritt. Dabei verliert er die Sympathie vieler Menschen und offenkundig auch die seiner Kinder. So bleibt am Ende das Bild eines Getriebenen, der nur für seine Firma lebte und nun diesen Lebensinhalt verloren hat.

Vieles in der Doku ist den Wrestling-Interessierten bekannt, Außenstehenden wird das Ausmaß der Skandale und Vorwürfe erschreckend vorkommen. McMahon selbst hat die Doku in einem Statement als unausgewogen kritisiert, es würde ein falsches Bild von ihm gezeichnet. Es passt nicht in seine Selbstwahrnehmung, dass die Doku wie eine Niederlage im Ring endet - Vince ist in seinem Leben immer irgendwie zum Sieger geworden. Genau diese Wahrnehmung wird gebrochen. Und das völlig zu recht. Produktion und Aufbau sind gut und stimmig, inhaltlich ist es an einigen Stellen etwa schwammig. Trotzdem eine solide 7/10.

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