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#WMDEDGT - August 2024
Einmal im Monat (immer am 5. Tag) fragt Fr. Brüllen, was man denn so den ganzen Tag über macht. Ich mache das erste Mal mit.
07:40: Ich stehe auf, nachdem ich mich noch einige Minuten daran erfreute, dass ich keinen Beruf wie z.B. Bäcker ergriffen habe. Auf dem Weg ins Badezimmer gilt der erste Blick den Katzen. Sie schlafen noch.
08:10: Nach dem üblichen Körperpflege-Vorgang prüfe ich erste Mails und Vorgänge. Die Woche wird anscheinend nicht besonders anstrengend.
08:20: Heute gibt es losen Ostfriesen-Tee, ich bereite alles gemäß der ISO-Norm vor. Dabei fallen Dinge auf, die nachgekauft werden müssen. Ich übertrage sie seufzend in die Einkaufsliste.
08:40: Wieder am Schreibtisch jage ich Kundenfreigaben zu verschiedenen Themen durch und leite nach positiven Bescheiden die weiteren Schritte ein.
09:30: Verschiedentliche Abstimmungscalls zu unterschiedlichen Projekten
10:00: Ein längerer Call zu einem Projekt, der konkrete operative Schritte für mich nach sich zieht, die bis heute Abend erledigt sein müssen.
11:00: Kurz ToDos sortieren, eine Kleinigkeit essen, kleine Status-Abfragen in verschiedene Richtungen.
11:30: Abstimmungscall mit einem Kunden zu einem Projektstand.
12:00: Die Kund:innen sind zu Tisch, ich nutze die Phase für fokussierte Arbeit an den Ergebnissen des 10 Uhr-Calls.
14:00: Kleine Snack-Pause, danach geht es weiter mit der Präsentation.
15:30: Ein weiterer Kunden-Abstimmungscall, eingeleitet mit etwas Geplauder zum Thema selbst Bier brauen. Man braucht mehr solcher Termine an Montagen.
16:00: Noch eine Stunde Deep Focus auf die Präsentation.
17:00: Täglicher Kehraus, Mails beantworten, Deadlines setzen und Anforderungen stellen.
17:45: Feierabend. Für morgen kurz die Tasks sortieren. Die Liebste kocht, es gibt Milchreis.
18:10: Nach dem Essen entspanne ich etwas und schaue mir Dokus zur Bonner Republik an.
19:40: Ich räume die Spülmaschine aus und wieder ein. Danach wieder ein positiver Beitrag zur Screentime.
22:30: Da ich am nächsten Tag bereits das erste Meeting um 8 Uhr habe und früher aufstehen muss, gehe ich ins Bett. Katze 1 schnurrt mich in den Schlaf.
Im Norden nichts Neues
Was macht der Mensch in der Retrospektive mit einer Woche, in der nichts Aufregendes geschah? Wenn trotz großer Mühe kein substanzielles High- oder Lowlight erkenn- und beschreibbar ist? Er schreibt trotzdem etwas auf, weil das Ritual gepflegt werden will.
Sehr erfreulich ist jedoch, dass die Gurkenpflanze nicht aufhört, uns ihre Früchte anzubieten. Und auch die Tomatenpflanze, die ich völlig verkümmert aus einem Discounter rettete, trägt dank der Gartenkunst der Liebsten reichlich Last - allerdings noch sehr grün. Aber ich möchte nicht übers Wetter sprechen, das tun andere Zeitgenossen reichlich (sowohl in Quantität als auch in inhaltlicher Verirrung). Vielleicht doch eine Bemerkung: Über die Elbe fegende Windhosen sind jedenfalls nichts, was ich unter einem normalen Wetter verorten würde. Aber was weiß denn ich.
Katze 2 ist wieder eingefallen, dass sie auf dem Kleiderregal im Schlafzimmer hervorragend verweilen kann. Das geht allerdings nur dann, wenn die Liebste oder ich ein Einsehen haben und sie aufs Regal heben. Dann erwartet sie aber auch regelmäßige Streicheleinheiten oder andere Lobhuldigungen, die sie schnurrend und ihren Kopf an den des Menschen stoßend erwidert. Runter kommt sie allein, aber sie wäre nicht die neurotische Herrscherin, die sie ist, wenn sie uns nicht dafür auch einspannen würde. Etwas piepen, ein bisschen panisch gucken und schon eilt der humane Diener zur Hilfe, die ohne Dank entgegegen genommen wird. Aber für seine tierischen Freunde tut man bekanntlich gerne alles.
Übernächste Woche habe ich einen geplanten Arzttermin, den mein Mediziner des Vertrauens “Check-Up” nennt. Mit Ende 30 macht man so etwas anscheinend. Ich also auch. Im Kopf herrscht ein Disconnect zwischen gefühltem und biologischem Alter. Ist das wirklich schon ein graues Haar im Bart? Sehe ich noch den Unterschied zwischen der 3 und der 5? Mein Interesse an solchen Fragen ist überschaubar. Dass sie sich stellen, ist aber nicht vermeidbar. Alter als Chance für mehr Gelassenheit mit sich selbst. Wenn es nach mir geht, kann sich dieser Prozess aber gerne noch eine erhebliche Weile hinziehen.
Kein Mann für alte Länder
Im Blog schaffe ich momentan nur eine wochenweise Retrospektive. Das ärgert mich, aber an den Werktagen ist einfach zu viel los mit Themen, die volle Aufmerksamkeit erfordern. Außerdem bietet nicht jeder Tag blogwertes Geschehen. Im Homeoffice ist es oft doch weniger erlebnisreich als man sich vorstellen kann.
Die Bundesbauministerin hat eine richtig ausgefuchste Idee, die der Wohnungsnot auf den Städten so richtig beikommt: Die Leute sollen einfach aufs Land ziehen. Wenn man solche Dinge liest, wird man erst sauer, dann sehr müde und zum Schluss gleichgültig. Offenkundig sind die Ministerin und ihr Stab aber schlecht informiert, wie sich die Wohnsituation und die Infrastruktur auf dem Land in den letzten dreißig Jahren entwickelt hat, das kann ja mal passieren. Jedenfalls könnten wir nicht mal so eben aufs Land ziehen, ohne Führerschein ist das einfach eine Utopie.
Nachdem letzte Woche die Auftragslage kurz etwas dünn aussah, ist diese Woche schon wieder der Überfluss ausgebrochen. Das hat Auswirkungen auf den Sommerurlaub, die mir nicht behagen. Aber gegen den Strom urlauben hat auch was. Und da wir eh daheim bleiben werden, ist die Frage des Zeitpunkts am Ende doch unerheblich. Hauptsache, man hat etwas Entspannung. Und bis dahin gibt es den vielfältigen Blumenstrauß an beruflichen Projekten.
Gemerkt: In unserer Stadt muss man erst einen signifikanten Radius abgelaufen haben, um Marzipantorte erstehen zu können. Auf dem Land wäre das folglich unmöglich.
Gestern kam ein gewonnenes Shirt vom ollen Bastard an, Beweisbilder gibt es im Netz. Und ich spendete den beiden famosen Esel & Teddy Auphonic-Credits, damit sie auch die 18 Jahre in 2025 voll machen. 2/3 der Personen kenne ich persönlich, schon witzig, wie lange her das alles ist und man trotzdem einander verfolgt. Das Internet ist nicht nur voller schlechter Menschen, es gibt auch ein paar sehr brauchbare Personen. Schön, dass ihr das so lange macht und haltet bitte weiter durch!
After the heat
Nach dreieinhalb Tagen Sommer brach schon wieder der Regen über uns herein. Dass der Mehrheit der Menschen sowohl in diesem als auch in anderen Ländern immer noch nicht auffällt, dass das kein Zufall ist und uns die wirklich ernsthaften Folgen unseren Handelns noch bevorstehen, macht mich fast noch mürber als Temperaturen jenseits der 25 Grad. What a time to be alive. Aber nicht im positiven Sinne.
In Amerika möchte ein alter Mann seinen verantwortungsvollen Job doch besser nicht nochmals ausüben bzw. dafür kandidieren. Der andere alte Herr, der dachte, dass er dem leicht älteren Herrn daraus einen argumentativen Strick drehen könne, steht nun doof da. Weil er nicht weiß, wer stattdessen antritt. Es ist ein einziges Unterhaltungsdrama, eine niemals endende Daily Soap. Dummerweise wird dem Amt und dem Land viel Bedeutung und Macht zugemessen. Im Programm eines öffentlich-rechtlichen Senders ist man derweil der Meinung, dass die Schuhmarke einer möglichen Ersatzkandidatin ein relevantes Detail ist. Dessen Abkürzung bedeutet offenkunding Zentrum der Füße.
Seit zwei Wochen nehmen die Liebste und ich uns vor, dass wir Käsespätzle essen wollen. Jedes Mal scheitert es daran, dass im Supermarkt Zutaten fehlen. Das ist ein ausgewachsenes Komplott - jedermann (und frau) weiß, wie wichtig Käsespätzle für die innere Mitte sind. Mit jedem Tag gehen wir gefühlt etwas schiefer, weil eben die Balance einer soliden Portion fehlt. Jeder innere Protest hilft aber nicht, das Regalfach bleibt unerbittlich leer. Bald fange ich wohl an, von diesem Gericht zu träumen.
Beim Klassentreffen habe ich mich durchgerungen, an der Messenger-Gruppe teil zu nehmen. Der Ton ist sehr zivil, von den üblichen Statusvergleichen noch keine Spur. Die eher organisatorischen Köpfe kramen Namen hervor und mir fallen Erinnerungen teils leicht, teils habe ich gar kein Bild mehr im celebralen Speicher. Manche dieser Namen waren nach einem oder zwei Jahren aus der Klasse ausgetreten, das ist über 25 Jahre her. Natürlich ohne ein Wiedersehen irgendwelcher Art - wie soll mensch sich noch daran erinnern? Bis Ende des Monats werden noch die letzten Personen “überzeugt”, dann erst geht es an eine Terminabstimmung. Man darf gespannt bleiben.
Letztens erzählte ich im Blog vom derzeitig spannendsten Instagram-Account, dem Buchantiquariat Willbrand. Im Rahmen einer Aktion wurden sogenannte Mystery-Boxen verkauft, wir haben auch zugeschlagen. Neben Dürrenmatts Besuch der alten Dame (das einzige Stück Literatur aus der Schulzeit, dass mir Freude bereitete) waren zwei Werke drin, bei denen ich noch den Zugang finden muss: “Die geheimen Aufzeichnungen des Don Rigoberto” von Mario Vargas Llosa und “Portugals strahlende Größe” von António Lobo Antunes. Eine tragische Komödie, ein erotischer und ein geschichtsbezogener Roman. Was für eine Mischung, daran werden wir lange zu knabbern haben.
Über Heißhunde
Es gibt Tätigkeiten, die mir auch nach fast 40 Jahren Existenz nicht gelingen. Das unfallfreie Essen von Hotdogs gehört dazu. Wann immer die Liebste dieses Essen anregt, rolle ich innerlich die Augen und verfluche mein Ungeschick. Heute war ich unglücklicherweise auch noch für die Vorbereitungen abgeordnet, die Brötchen sind direkt misslungen. Erstaunlicherweise konnte ich aber drei (!) Hotdogs ohne Zwischenfälle zu mir nehmen, wenn man mal das groß angelegte Beschmieren der Mundpartie ignoriert. Dennoch werden die Heißhunde und ich niemals große Freunde werden, das gilt auch für Döner, Wraps und andere “Kann man ja mal eben aus der Hand essen”-Speisen.
Der Delay in der beruflichen Welt ist inzwischen aufge- und verarbeitet, ein gutes Gefühl. Morgen ist ein Kunde auf einer “internen Veranstaltung”, das schafft nochmals Freiraum und Gelegenheit, Weichen zu stellen. Ansonsten gilt es, Folgeprojekte zu akquirieren und neue Konzepte auf Folien zu bannen. Manchmal ärgere ich mich, dass ich das strategische nicht so gut vom operativen Denken trenne, gleich Umsetzungsprobleme wittere und dadurch konzeptuell nicht so groß denke wie gern gesehen. Vielen Großprojekten im Land würde aber eine Prise Realismus gut tun, der Stammtisch hätte weniger Grund zur Klage. Könnte doch einfach sein, oder?
Mein Realschulabschluss jährte sich die Tage zum 22. Mal (Entschuldigung, aber WTF?) und scheinbar dachten sich ehemalige Klassenkamerad:innen, dass dies eine gute Gelegenheit für ein Wiedersehen wäre. Erstaunlicherweise hat man auch an mich gedacht und mir auf mehreren Wegen signalisiert, mich doch in eine eigens dafür eingerichtete WhatsApp-Gruppe zu begeben. Meine Gefühlslage ist ambivalent, die Zeit mit ihren Geschehnissen hätte aus meiner Perspektive für einen mitteltraurigen Charlie Brown als Heranwachsenden-Spinoff genügt. Natürlich habe ich mehr als genug Abstand gewonnen und kann das Damalige besser einordnen. Aber in Erinnerungen schwelgen bedeutet für mich in dem Fall etwas Anderes als für manch andere Person, eher ein Umgehenwollen von Remineszenzen. Immerhin ist es kein verpflichtender Schulbesuch, sondern eine freiwillige Geschichte und ich kann nochmal in mich gehen. Vielleicht sollte ich einfach nicht so hart zu mir und vor allem Anderen sein.