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Von Belastungen und Proben
Die Woche verging wie an Bord eines Düsenjets. Arbeitstechnisch war eine Menge los und ich startete vier Tage in Folge gegen acht Uhr, um der Flut an Aufgaben irgendwie Herr zu werden. Einige Themen erledigten sich in Wohlgefallen, andere bedürfen noch einer operativen Behandlung. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich alles so regeln wird, dass das Geschehen wieder vor und nicht mehr hinter mir passiert und ich nicht mehr getrieben agieren muss. Ein Kunde meinte Freitag zu mir, ich sei ein echter Sympathieträger. Dieses Kompliment hallt noch in mir nach, vermutlich wird es das länger tun.
Diese Woche war die Erste seit Längerem, in der es keine krisenähnliche Situation gab. Im Gegenteil, es gibt Zeichen, dass es voran geht. Dieses Wochenende fand eine sogenannte “Belastungsprobe” statt, das klingt drastischer als es eigentlich ist - und es ging alles gut. Auch das war nur ein erster Schritt, es wird weiter Höhen und Tiefen geben. Aber es fühlt sich sowohl aus Sicht der Liebsten als auch aus meiner an als wäre das tiefe Tal durchschritten. Das alles nach knapp dreieinhalb Wochen sagen zu können ist ein tiefes Glück. Nun müssen wir alle miteinander die Geduld weiter aufrechterhalten.
Das Vereinigte Königreich hat sich mit der Wahl am Donnerstag vom Joch der inkompetenten Tories befreit und nach 14 Jahren wieder Labour in Regierungsverantwortung gewählt. Ich bin immer wieder fasziniert von diesen Eigenheiten des britischen Parlamentarismus und der Geschwindigkeit, wie schnell vom alten zum neuen Premier gewechselt wird. Das bedarf viel nicht gesehener Vorbereitung, die Konzepte müssen vorm möglichen Wahlerfolg stehen. Ob Sir Keir Starmer es schnell besser machen kann, vermag ich nicht zu sagen. Sicher ist, dass es viel zu tun gibt und das Land ähnlich wie damals nach der Ära Thatcher in großen Zügen saniert werden muss. Kurzum: Man wünscht viel Glück, das Schicksal tauschen ist jedoch undenkbar.
Weil das Abstammungsthema bei uns immer wieder angerissen wird und die Liebste dann äußert, dass ich doch prüfen solle, wie ich denn an einen britischen Pass käme (ich bin durch meinen Vater berechtigt), habe ich am Wochenende nachgesehen. Nun weiß ich, was mein Vater mit der Bemerkung meinte, dass Brite zu sein eine Menge Geld koste. 1.500€ kostet die Einbürgerung inklusive Sprach- und Wissenstests. Und ich kann mich noch dunkel erinnern, dass die Dokumente meines Vaters bei jeder Erneuerung auch einen ordentlichen Satz kosteten. Dagegen sind die Gebühren in Deutschland gering, ich möchte mich darüber nie wieder aufregen.
Ob ich das Thema Pass angehe? Ich vermag es nicht zu sagen - es gibt ein Stück Sehnsucht in mir, dass meine Wurzeln erkunden will, ihnen zugehörig sein möchte. Je älter ich werde, desto mehr nimmt dieser Gedanke Platz ein. Gleichzeitig ist aber hier alles, was ich bisher er- und gelebt habe. Wie bekomme ich das überein, wie verbinde ich Herkunft? Und wie stelle ich sicher, dass meine Erwartungen und Vorstellungen realistisch sind, sie nicht enttäuscht werden? Für mich ist dieser Teil Heimat bisher so weit weg von meiner Lebensrealität gewesen, dass es fast mythische Ausmaße hat. Aber wenn ich es nie erprobe - wie werde ich je erfahren, wie es sein wird?
Stift happens

Als Linkshänder hat man in der Regel nur sehr ungute Schulerinnerungen, wenn es um das Thema Schreiben geht. Füller sind der natürliche Feind jedes mit dominanter linker Hand Agierenden, mein Vater wurde in der Schule mit Schlägen und anderen Demütigungen zum Rechtshänder gemacht. Als Kind der 80er blieb mir das glücklicherweise erspart, der Füller jedoch nicht. Und seitdem war Schreiben immer ein Elend für mich, Kugelschreiber lösten das Problem zwar ohne Verschmieren, das Schriftbild litt aber.
Inzwischen bin ich in einem Alter, wo ich mir gerade beruflich Aufgaben oder erlangte Informationen schnell aufschreiben muss, um diese nicht gleich wieder gedanklich in die Elbe zu werfen. Da hat sich mein Chef unbewusst als Tippgeber für gute Stifte entpuppt. Er setzt seit Längerem auf uni-ball eye-Tintenroller und so hatte ich auch die Chance, diese auszuprobieren. Das ist bald drei Jahre her und ich bin immer noch sehr zufrieden. Gerade die fine-Variante funktioniert hervorragend für mich und man kann mein Geschmiersel auch wieder besser lesen.
Die Tage entdeckte ich die Sonderedition “ocean care” im örtlichen REWE (der Stift ist aus 75% recycletem Plastik, 10% davon aus Müll, der sich in Ozeanen fand), welcher in einem schönen, kräftigen Blau gestaltet und mit entsprechender Tinte gefüllt ist. Damit habe ich den ultimativen Stift für mich gefunden, der auch noch einen Beitrag für die Umwelt leistet. Für jemanden wie mich, dessen Behausung nahe am Wasser gebaut ist, gibt es keine bessere Wahl.
Fidel Astro
Ich schrieb ja gestern dass ich mich im Zuge einer Horizonterweiterung mit Astro auseinander setze. Es gibt in der Dokumentation einen kleinen, aber sehr effektiven Kurs, anhand dem man sich eine kleine Seite mit Blog, Tag-Konstruktion und RSS-Feed bauen kann und so lernt, wie die Elemente zusammen funktionieren. Den Kurs habe ich in zwei Feierabenden durchgearbeitet und habe einen guten Eindruck bekommen, wie die Funktionsweise so ist.
Kurzum: Ich mag es. Sehr. Aber Jekyll ist so gewohnt, es ist leicht und die Struktur atme ich seit über zwei Jahren. Zudem habe ich in dieses Blog technisch schon so viel gesteckt, dass ich das nicht einfach so drangeben möchte. Auch wenn Astro Dinge kann, die ich mit Jekyll vermutlich nicht in der Qualität abbilden werden kann. Aber es ist wie so oft im Leben: Warum will ich das Kreuzfahrtschiff, wenn ich agil mit meiner kleinen Segeljolle voran kommen kann? Und so wird Astro immer wieder mal meinen Weg kreuzen, ich werde mich daran erfeuen - doch die Basis bleibt Jekyll. Weil ich es beherrsche. Und das ist ja auch etwas.
Spiel's nicht nochmal, Sam!
Ich gehöre ja zur Gruppe Menschen, die sich für Technologie begeistern können. Beim Thema KI bin ich aber sehr skeptisch, weil die Risiken noch nicht überblickbar sind und einige neunmalkluge Menschen mit Geschäftssinn gar nicht so sehr die Entwicklung, sondern die eigenen Gewinne im Kopf haben. Wasser auf den Mühlen meiner Bedenken ist das Interview mit Sam Altman in der Süddeutschen Zeitung (Paywall), der unter Anderem folgende Bemerkung raushaut:
„Künstliche Intelligenz wird uns vermutlich alle töten, aber bis dahin wird sie wirklich nützlich sein.“
Das klingt nach einem total klugen Plan, die Dinge einfach weiter ihren Lauf und die Menschheit dafür terminieren zu lassen. Nur aus dem Grund, für irgendwelche Shareholder glänzende Profite zu erzielen - damit diese sich auf interstellare Latifundien retten können. Ganz ehrlich: Wenn uns als Spezies nichts Besseres als die Selbstausrottung einfällt (kriegen wir ja beim Klimawandel auch schon hin), dann haben wir es nicht besser verdient. Aber tut mir einen Gefallen und lasst mich mit eurem Irrsinn in Ruhe, ich will gerne noch ein paar gute Jahre haben.
Stack Overflow
Wer zwischen den Zeilen der letzten Beiträge lesen kann, erahnt die hohe Schlagzahl an Ereignissen im familiären Bereich bei uns. Die letzten 5 Wochen hatten es massiv in sich und wir müssen uns immer wieder schütteln und für die nächste Fragestellung postionieren. Solch eine intensive Phase frisst unfassbar viel Energie, nicht nur körperlich. Und die Liebste und ich sind ja “nur” die Angehörigen, die Dinge regeln und Rückhalt geben. Aber darin steckt so viel mehr als nur zu funktionieren. Es bedarf einer ganz massiven Kraftanstrengung, gleichzeitig aber auch einer guten Steuerung eben derselben.
Die letzten Tage haben gezeigt, dass es aber auch wieder aufwärts gehen kann. Der Weg ist zwar lang, aber erste Schritte sind getan und das stimmt positiv. Es fühlt sich an wie die ersten warmen Sonnenstrahlen nach einem arktischen Winter. Auf einmal ist ein Licht da, welches man nicht erwartet hatte. Weder vom Timing noch von der noch zarten, aber fühlbaren Intensität. Man schließt die Augen und nimmt diese Wahrnehmung ganz tief in sich auf. Mit dem Bewusstsein, dass das Wetter wieder umschlagen kann - aber dass etwas überstanden sein kann.
Um dem Stack Overflow zu begegnen, habe ich entgegen meiner ursprünglichen Position den überwiegenden Großteil der Fußball-EM verfolgt. Und dabei wieder festgestellt, wie weit ich mich von diesem Sport entfernt habe. Die große Begeisterung ist vorbei, es bleibt eher eine technische Betrachtung. Das teilweise schlechte Spielniveau (wenig überraschend, wenn der Kalender der Akteure mit immer mehr sinnlosen Wettbewerben gefüllt wird) und die massive Kommerzialisierung tragen zur inneren Abgrenzung bei. Ansonsten suche ich Ablenkung in der Arbeit und habe begonnen, mich mit Astro als neuer SSG-Alternative zu beschäfigen. Optisch macht es verdammt viel her und erleichtert den Einstieg ungemein. Andererseits wiegt das Paket im Vergleich zu Jekyll viel mehr, das stört mich etwas. Ich werde mich in den nächsten Tagen aber mit dem Grundaufbau ohne vorgefertigte Inhalte beschäftigen und das ist sicherlich deutlich schlanker.
Sonntag habe ich vorsichtig in meine Jahresziele geschaut, dabei konnte ich doch tatsächlich ein paar Haken setzen. Meine Vermutung lag eigentlich deutlich geringer, gerade in Anbetracht der aktuellen Situation. Deswegen gehe ich die zweite Jahreshälfte auch entspannter an, gelernt habe ich (mal wieder): Du kannst alles planen, nur nicht das Leben. Aber du kannst planen, wie du damit umgehst.