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Genormter Tee
Mein Vater war Schotte, meine Mutter ist deutsch und hat niedersächsische Ahnen (aus der Gegend von Cloppenburg). Beide Zweige haben eine Teekultur und so ergab es sich, dass ich nicht nur Teetrinker wurde - vor allem in den letzten zwei Jahren habe ich versucht und bin weiter dran, beide Kulturen irgendwie zu verbinden.
Vom Vater übernahm ich in der Jugend die one cup-Vorgehensweise, die mit Beuteln von Tetley “gefüllt” wird. Natürlich gibt es auch andere Marken. Aber dieser Tee ist stark und ich mag ihn. Die andere Familienseite operierte klassisch mit losem Tee im Filter, Kanne und Stövchen sowie Kandis - also schon ostfriesisch im Angang. Ich habe das immer etwas abseits bewundert, fand das für mich allein eher umständlich.
Durch mehrfachen Urlaub auf einer ostfriesichen Insel ist mir diese Form der Teezeremonie aber näher gerückt und mein Teekonsum hat sich entsprechend intensiviert. Die Liebste hat mir über Geschenke die nötige “Hardware” verschafft und an Wochenenden verbringe ich mittlerweile gut und gerne ein bis zwei Stunden in der Küche, in denen ich am Fenster sitzend Tee trinke und dabei frühstücke, mir ein Bild über die Weltlage verschaffe oder Musik höre. Wenn ich Urlaub habe und wir den zuhause verbringen, sogar täglich.
Beim geschätzen Thomas Gigold las ich die Tage, dass es eine ISO-Norm für die Zubereitung von Tee gibt, mich als Verfechter von Standards und Anleitungen sprach das natürlich an. Zudem traf es sich, dass mein Vorrat an Tetley-Beuteln zu Neige ging und ich auf die Notreserve an losem Tee zurück greifen musste. So habe ich eine Woche lang diese ISO-Norm in der Praxis angewandt und komme zu folgendem Schluss:
Es hat meditativeren Charakter, wenn man mehr Schritte in gewisser Sorgsamkeit durchführen muss. Gerade an die richtige Portionierung des Tees muss man sich ran tasten, die Norm kann nur bedingt subjektives Geschmacksempfinden standardisieren. Andererseits habe ich das Vorgehen noch nicht im Arbeitsalltag verprobt und bin mir unsicher, ob sich der Aufwand lohnt, wenn ich stressbedingt den Tee eher “hinter die Binde kippe”. Vermutlich ist die Lösung einfach, den Mittelweg zu finden aus dem schnellen one cup-Verfahren und für längere Meetings Kanne und Stövchen. Die Zeit wird zeigen, wie sich mein Verfahren praktisch optimiert.
Wie ich eigentlich blogge
Technisch
Die Basis ist auf maximale Convenience ausgelegt: Ich habe einen GitHub-Account und nutze GitHub Pages. Im Account liegt ein Repository auf Jekyll-Basis, das Theme heißt Contrast und stammt von Niklas Buschmann. Design-technisch habe ich es aber modifiziert (ob das optisch überzeugt, möchte ich nicht beurteilen). Den Code passe ich in VS Codium an und commite dann sehr faul über GitHub Desktop. Vermutlich habe ich mit dieser Information meinen GitHub-Account verwirkt. Diese Seite verwendet keine Trackings und lädt extrem schnell, darauf bin ich sehr stolz. Analytics nutze ich nicht, mir ist egal, wer und wie viele ihr seid. Ihr sollt hier in Ruhe stöbern können.
Inhaltlich
Dieses Blog hat kein Konzept, ich schreibe nach Gefühl und was mich gerade umtreibt. Das können persönliche Erlebnisse, Vorgänge in meinem Biotop namens “Umgebung” oder Gedanken sein, die mir durch den Kopf gehen und mehr Worte bedürfen, als das Fediverse sie mir zur Verfügung stellen kann. Für mich ist das hier ein Platz, an dem ich die Dinge ausformulieren kann und mir Reichweite oder direktes Feedback keine wesentlichen KPIs sind. Wer etwas zu einem Artikel beitragen möchte, kann das per Fediverse tun. Kommentierung vor Ort erfordert Moderation und DSGVO-Obligationen, die erspare ich mir gerne. An der Frequenz will ich in den nächsten Monaten wieder stärker arbeiten, zuletzt hat mich eine Arbeitslawine überrollt. Aber wie heißt es doch so schön: Dran bleiben ist alles.
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Wer sich länger im Internet als User:in aufhält, wird früher oder später damit konfrontiert - eingestellte Dienste. Manche bekommt man gar nicht mit, um Andere ist es schade. Und dann gibt es die, mit denen irgendwie alles anfing. Zu denen zählt ICQ.
Einst in Israel gegründet (das ist einfach mal 30 Jahre her), war ICQ der Instant Messaging-Dienst, den alle nutzten. Noch vor AIM, MSN und Co. Alles war auf Funktion ausgelegt, damit auch User:innen mit 56K-Modem flott Textnachrichten austauschen konnten. Später kamen Telefonie-Optionen, Spiele und anderer Tüdelkram dazu, den kein Mensch effektiv brauchte. In der Zeit wurde AOL Eigner, allerdings nie so richtig glücklich mit dem Invest und verkaufte nach einiger Zeit an die russische Mail.ru Gruppe weiter.
Spätestens seit dem Zeitpunkt war ICQ in Europa so wirklich durch und niemand nutzte den Dienst ernsthaft noch. Ich war ICQ schon längst entwachsen und seitdem habe ich nicht mehr reingeschaut. Nun wurde verkündet, dass kommenden Monat der “Laden dicht gemacht” wird. Die mit Sicherheit stark gesunkene Zahl aktiver Nutzer:innen wird es sicher verschmerzen. Den Inaktiven wie mir ist es egal, nur eine Randnotiz im Rauschen des Äthers. Aber an meine Nummer kann ich mich wie vermutlich fast alle anderen Nutzer:innen immer noch erinnnern. An alte gute Zeiten eben, in denen das Internet den Hauch von Abenteuer und Verheißung mit sich trug.
Und wir waren dabei.
Primäre Zuständigkeit
In unserer Region gibt es ein Verlässlichkeitsproblem im öffentlichen Nahverkehr auf der Schiene. Das derzeitig tätige Verkehrsunternehmen ist nicht mehr in der Lage, den Auftrag in Gänze zu erfüllen und hat mit der beauftragenden Landesnahverkehrsgesellschaft vereinbart, den Vertrag vorzeitig zu beenden. Statt Ende 2033 endet der Vertrag nun Mitte 2026, das sind aber immer noch zwei Jahre. Und es zeichnet sich ab, dass die Situation sich nicht verbessern wird.
Der Landkreis hat bei der Unternehmensgründung Minoritätsanteile gehalten und nach einiger Zeit für einen soliden Preis an den Mehrheitseigner (ein privates Eisenbahnverkehrsunternehmen) veräußert. Im Gegensatz zu den anderen Landkreisen in der Region hat man (offenkundig auch gesellschaftsrechtlich) die Chance verpasst, Mitgestaltung im Unternehmen zu sichern. Nun kann man zurecht argumentieren, dass der Staat oder andere verwaltungsrechtliche Instanzen keine guten Unternehmer sind, für Aufgaben mit besonderem öffentlichen Interesse (dazu gehört Infrastruktur nun mal) kann das jedoch zum Bumerang werden. Genau diesen Bumerang bekommen tausende Pendler:innen nun tagtäglich an den Kopf.
Mein Weg zur Arbeit beinhaltet eine Fahrt mit besagtem Unternehmen von 24 Minuten pro Strecke. In der Regel verlängert sich die Fahrzeit mittlerweile mindestens um den Faktor 1,5, durch ständig ausfallende Züge (mangelndes Personal, technische Fehler) und Verspätungen anderer Fahrten sind die Züge stets übervoll und die Technik im Zug (Toiletten und Klimaanlage) ist damit stets an der absoluten Belastungsgrenze. Von den Mängeln an der Infrastruktur spreche ich gar nicht, da das ausführende Unternehmen nicht zum roten Riesen gehört, sondern auch nur Trassen mietet und damit arbeiten muss, was die DB an Dingen anbietet.
Landesregierung und Nahverkehrsgesellschaft üben sich in kritischen Ansagen, das Unternehmen versucht mit einer leicht humorvollen Marketingkampagne gegen zu steuern und der Landrat formuliert es auf Frage eines Bürgers in der Kreisratssitzung so (indirektes Zitat aus der Lokalzeitung): “Die Kreisverwaltung habe das Problem, dass sie primär nicht zuständig sei”. Das ist formal richtig, hilft aber den betroffenen Personen, die sich je nach Reisezweck auch täglich mit den Problemen herum schlagen müssen, wenig bis gar nicht. Im Gegenteil schürt das eher Ärger auf die Mühlen der Bürokratie, die solche Probleme nicht lösen kann.
Guter ÖPNV, der den Menschen dient, kostet Geld - und das nicht wenig. Wir sind als Gesellschaft scheinbar nicht willens, dafür zu zahlen. Oder nur das, was das absolute Minimum ist. So bestellt die Landesnahverkehrsgesellschaft halt bei dem Anbieter, der den günstigsten Preis offeriert. Das ist für alle schlecht: Für das Unternehmen, dass sich im Wettbewerb ruiniert. Für die LNVG, die sehendes Auges schlechten Service bestellt. Für die öffentliche Hand, die den Spielraum nicht hat und sich zum Gespött des Volkes macht. Und für die Menschen, die Tag für Tag als Passagiere auf öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind.
Die Frage ist: Lernen wir daraus? Oder spielen wir das immer so weiter, weil es immer einen Sündenbock geben muss?
Hoffen auf Godot
Nach verheißungsvollem Beginn ist mein Blogging-Streak ziemlich abrupt abgerissen. Die Arbeitsthemen haben doch schnell die guten Vorsätze überlagert. Aber es ist nie zu spät, sich wieder reinzubeißen. Inzwischen ist der Februar auch schon so gut wie durch. Der Mensch wiegt bedeutungsschwer den Kopf und fragt sich, wie das denn schon wieder angehen könne. So reich wie das öffentliche Jahr schon wieder an Themen war, ist das Gefühl der Hirnschmelze gar nicht so abwegig.
Ist es für dieses Jahr schon zu spät für Hoffnung? Darf man überhaupt noch hoffen oder ist es eh gleich? Solche Fragen beschäftigen mich immer, wenn ich verschämt in die Nachrichtenlage wie in ein schwarzes Loch blicke und mir dabei leise die Frage vorlege, was denn diesen Planeten überhaupt noch vorm Auseinanderbröseln bewahrt. Hoffnung ist ein kunstvoll fabrizierter Wandteppich, den man sich vor die hässlichste Stelle der Realität hängt und dann langsam dabei zuschaut, wie der Teppich erst klamm, dann feucht und am Ende ein Herd des Schimmels wird. Weil das wenig überrascht, hat man aber gleich einen Ersatz griffbereit und so wiederholt sich das Ritual. Die Wand könnte man zwar sanieren, aber dafür muss der Nachbar mitspielen. Da beginnt oft für Viele das Dilemma.
Es gibt immer wieder Phasen, in der ich der Hoffnung erliege, mich an ihr labe. Ebenso die Momente, in der ich ihr entsage und mich im Zynismus über das Weltgeschenen ergehe. Ist es angebracht, dass ich Partikel im Universum alles verdamme? Ist es nicht eher richtig, dass ich meine Rolle akzeptiere und darauf hoffe, dass alles seine Form erhält, die Dinge in Ordnung kommen? Was ist mein Beitrag für eine bessere Welt und wie bringe ich den in Einklang mit meinen Verpflichtungen? Die Antworten sind nicht eindeutig, es gibt viele Optionen. Es bedaf aber auch Energie und den Willen, diese aufzubringen und sinnvoll zwischen den Prioritäten der Existenz zu verteilen. Hoffnung ist ein wirksames Substrat. Wenn man sie nicht in Godot investiert.