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29.10.2023

Früher habe ich ständig Radio gehört. Als ich sehr jung war, begleitete mich der lokale Jugendsender durch den Tag. Später kamen Sender mit Fokus auf Wortbeiträgen und danach sogar Sender mit kultureller Ausrichtung dazu. Dabei war ich stets Progammen des öffentlichen Rundfunks zugeneigt, die privaten Angebote haben mich durch ihre Art der Programmausrichtung und eher effektheischenden Ausführung eher genervt.

Mich faszinierte aber vor allem auch die Technik, wie die Wellen genutzt wurden und in welch unterschiedlicher Qualität der Empfang durch die verschiedenen Systeme war. Inzwischen sind in Deutschland auf Lang- und Mittelwelle keine Radiosender mehr zu empfangen, die Ultrakurzwelle wird auch langsam abmoderiert. Bei uns im Haus ist sie sogar gar nicht empfangbar, weil die Sendeleistung des Senders das nicht mehr hergibt. Es gäbe mit DAB+ und Streaming sowie über den im Haus vorhandenen Kabelanschluss genug andere (und technisch bessere) Möglichkeiten. Doch genau das nimmt mir den Spaß, Radio empfangen zu wollen. Es ist technisch nicht mehr das Gleiche, weil der Empfang direkt und ohne das Frequenzsuchen, Rauschen und all den herrlichen Nebengeräuschen funktioniert. Man kann sagen, dass es langweiliger geworden ist. Auf dem Handy habe ich eine App, die das etwas simuliert, aber das ist kein wirkliches Substitut.

Dazu kommt, dass nahezu alle Inhalte auch ohne lineare Programmierung verfügbar sind. Audiotheken, Podcastfeeds und andere Optionen bieten die direkte Abholung von Inhalten an, man muss gar nicht mehr auf die Sendung warten oder sich sicherheitshalber vorher einschalten. Das nimmt auch den Reiz, Radio bewusst zu genießen. Infolge dessen werden Angebote zusammen gelegt oder gestrichen, die Wertigkeit nimmt ab. Und so wird auch aus einstmals gutem Programm ein “Das Beste der 70er, 80er, 90er, und ab 2000 - alle sieben Sekunden Nachrichten”.

Das hat bei mir auch eine Abkehr zu den AoD-Angeboten eingeleitet. Das ist fürs Einschlafen manchmal suboptimal, weil die Länge nicht ganz reicht. Aber ich kann so selektieren, was mich interessiert. Besonders mag ich die Beiträge des SWR2 Archivradio, das Beiträge aus allen Epochen der Ausstrahlung von Radioprogrammen der letzten einhundert Jahre bietet und Geschichte erlebbar macht. Einiges habe ich bereits mehrfach gehört.

Aber was bleibt nach einhundert Jahren? Ein Medium auf dem Rückzug? Hoffentlich nicht, Radio hat in schweren Zeiten seinen Wert als Medium bewiesen, weil es verlässlich Informationen bietete. Sicher wird sich die Verbreitung auf rein digitale Weise schlußendlich durchsetzen, aber es wird nicht verschwinden. Die reine Übertragung auf Tonspur fasziniert Menschen seit jeher, es regt die Fantasie an und lässt Bilder im Kopf entstehen. Und vielleicht ist genau das der Grund, dass das Radio auf ein Jahrhundert wechselvoller, aber stets spannender Geschichte zurück blicken kann. Und mit Sicherheit eine ebenso spannende Zukunft haben wird.

17.08.2023

Nora in einer Hängemulde

Ok, dieses Blog wird langsam sehr technik-lastig. Aber das liegt auch daran, dass mich solche Dinge gerade mehr interessieren als andere Themen. Seit langer Zeit beschäftige ich mich mit dem Thema Selfhosting, einerseits aus Lernwillen und andererseits um mich damit möglicherweise aus Abhängigkeiten von den Clouds Anderer zu lösen. Dabei versuche ich agnostisch zu sein und das Beste aus beiden Welten für mich nutzbar zu machen.

Das Thema Selfhosting bin ich gestern sehr konkret angegangen, indem ich beim Hoster meines geringsten Misstrauens einen günstigen vServer mit einem Monat “kostenlos testen” als Zugabe schoss. Originär war mein Plan, YunoHost zu verwenden und dort die eine oder andere Anwendung zu implementieren. Da die Bereitstellung des Servers beim Hoster immer etwas dauert, konnte ich erst heute Vormittag mit der Konfiguration starten. Im Folgenden hier die Dokumentation meiner Anläufe, damit andere Neulinge aus den von mir gemachten Fehlern lernen können:

Erster Anlauf

Passwort verbummelt. Peinlich. Server geflasht.

Zweiter Anlauf

Debian 12 installiert, Server abgesichert, YunoHost-Installation getriggert, Fehlermeldung bekommen (YunoHost arbeitet nur mit Debian 11). Server geflasht.

Dritter Anlauf

Debian 11 installiert, Server abgesichert, YunoHost-Installation getriggert. Alles lief soweit, ich konnte allerdings keine Apps auf Subdomains einrichten. Stattdessen warf mir YunoHost DNS-Konfigurationshinweise hin, mit denen ich wenig anfangen konnte. Auch intensive Recherche brachte mich nicht weiter. Nach zwei Stunden war ich ziemlich genervt und fasste einen Beschluss. Server geflasht.

Vierter Anlauf

Ubuntu 22.04. installiert, Server abgesichert, Cloudron-Installation getriggert. Was soll ich sagen: Gegen YunoHost fühlt sich Cloudron an, als würde man mich in einen weichen Sessel platzieren und abweichend Getränke und Speisen meiner Wahl reichen und die Füße massieren. Es ist so unfassbar einfach und es funktioniert alles, wie ich es mir vorgestellt habe. Ohne viel Einstellerei, sondern pragmatisch.

In den nächsten Tagen werde ich jetzt ausgiebig Integrationen testen und mir meine Selfhosting-Welt gestalten. Ein paar Ideen habe ich, aber ich muss mir dazu überlegen, wie meine Workflows dazu sein müssen. Jedenfalls ist der erste Schritt nun getan und darüber bin ich sehr glücklich.

*der nicht mehr so junge, aber das hatten wir ja schon.

Es gibt in der IT-Welt so manchen Witz, der es zu gigantischen Ausmaßen gebracht hat. Unter Anderem den, dass das jeweils aktuelle Jahr das Jahr des Linux-Desktops wird. Der Witz hat aber nur eine geringe Halbwertszeit, da er lediglich zum jeweiligen Jahresanfang funktioniert. In der Praxis aber geht Linux die Massentauglichkeit eines Windows ab. Dabei gibt es viele gute Ansätze. Für geneigte Anfänger:innen sind diese ohne gewisse Mühen nicht immer erkennbar.

Auch ich habe in den letzten zwanzig Jahren immer wieder Bemühungen angestellt, tiefer in die Materie einzutauchen. Dabei stieß ich an die immer gleichen Themen:

  • Linux ist nicht so intuitiv wie andere Betriebssysteme
  • Linux erfordert ein dezidierteres Wissen, klicki-bunti allein reicht nicht
  • Die Community ist teilweise sehr eigen, das erschwert Lösungsfindungen

Mittlerweile sind einige Distributionen tatsächlich sehr smart aufgestellt, Linux Mint hat mich heute nach einer Neuinstallation mit einem durchdachten Onboarding begrüßt. Aber auch das löst nicht die Notwendigkeit, gelegentlich die Kommandozeile zu bemühen. Und da werden die Standard-User:innen immer abgeschreckt werden. Sie wünschen sich Dinge, die einfach funktionieren und keine Komplexität beinhalten. Genau das ist Linux nicht und will es meines Verständnisses nach auch nicht sein. Das ist auch völlig in Ordnung.

Dann muss aber auch Allen klar sein, dass das Jahr des Desktops nie kommen wird. Beziehungsweise nur in individualen Erfahrungen. Weil ich persönlich nicht so aufstecken will (und meinen Horizont erweitern möchte), werde ich mir in den kommenden Monaten geben - parallel zu meiner gewohnten macOS-Umgebung. Die gemachten Fortschritte werde ich im Blog dokumentieren, alles unter dem Tag #linux.

Den Leser:innen wünsche ich bereits jetzt viel Vergnügen beim Nachlesen meiner naiven Abenteuer.

20.05.2023

Bustopher

Herr Buddenbohm schrieb unlängst so treffend, dass Rätsel übrig blieben, wenn jemand stirbt. Bei einem Tier trifft das im besonderen Maße zu, vor allem im Falle eines Wildtiers.

Wann Bustopher das erste Mal auftauchte, vermögen wir nicht genau zu sagen. Sicher ist, dass er mit Katze 3 (die auch ein Straßenkatze war, bis wir sie mit ihrem zweiten Wurf aufnahmen) eine wie auch immer geartete Liebelei betrieb und unser Kater sein Sohn ist (das ist ohne Katerschaftstest feststellbar gewesen). Ansonsten war er stets um Diskretion bemüht, er verstand es wie kein Anderer möglichst unbemerkt zu kommen und zu gehen. Wenn ihm draußen doch fremde Menschen begegneten, erstarrte er zur Salzsäure und ließ das Volk an sich vorbeiziehen. Erst nach gebührender Zeit nahm er wieder lebensartige Züge an und schlich sich dann zu uns.

Auf unserer Terrasse hat er Erholung gefunden, teilweise kam er in erbärmlichen Zuständen an. Besonders arg war es im späten Winter, als er dem Tod näher als dem Leben mit einer Sepsis rang und die Liebste ihm wie auch immer das Leben rettete. Sie war es auch, die sich um ihn kümmerte. Er hatte eine Hütte, gelegentlich auch ein Catnipkissen. Und oftmals eine warme Milch, die er zeitweilig gegen eine kühle Variante bei entsprechenden Temperaturen eintauschte. Obwohl er uns genau kannte und wusste, dass wir die Letzten sind, von denen er irgendetwas zu befürchten hätte, hat er uns bei der Anreichung von Futter und Milch angefaucht. Meistens war das aber auch nicht eindeutig, ob es eher Abschreckung oder sein Zeichen der Anerkennung war - was hätte er auch sonst mit uns in anderem Tonfall kommunizieren können.

Dass er Bustopher Jones heißen soll, war schnell Konsens. Der Name rührt aus dem Musical Cats, in dem der Namensträger ein hochangesehenes Tier mit einer Vorliebe für Herumtreiberei bei all möglichen Stellen für gutes Essen ist. Die Figur ist eher nobel angelegt, das war die Sache unseres Bustophers nicht. Aber das Umherziehende, in seinem Leben eine gewisse Würde behaltend und dabei ein freundlicher Charakter, das waren seine Wesenszüge. Er hatte Geduld, ließ uns auch mal nah an sich heran und hatte eine gewisse Komik. Wir haben oft über ihn gelacht, wenn er auf der Terrasse lag und dabei so entspannt schlief wie er es an anderen Lokalitäten wohl nicht konnte.

Nach der überstandenen Sepsis war Bustopher wieder umtriebig, die letzten Tage war er sehr oft bei uns und freute sich anscheinend über den Frühling und das immer besser werdende Wetter. Wir hatten uns mit ihm gefreut und auf viele weitere Besuche im Sommer gehofft. Nun ist er seit knapp einer Woche nicht mehr gekommen, das war bisher nie so. Und unsere Ahnung sagt uns, dass er nun an einem Ort verweilt, der für uns nicht erreichbar ist. Seine Spuren verfliegen, die Hütte steht leer. Was bleibt, sind viele Rätsel. Aber auch der tröstende Gedanke, dass er jemand war. Für uns jedenfalls.

Alles Gute Busti, wo auch immer du dich jetzt niedergelassen hast. Du wirst uns fehlen.

In the whole of St. James’s the smartest of names is
The name of this Brummell of Cats
And we’re all of us proud to be nodded or bowed to
By Bustopher Jones in white spats

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