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19.05.2023

In wenigen Stunden ist es soweit, mein Geburtstag jährt sich auf ein Neues. Ab morgen kann ich in aller Sachlichkeit von mir behaupten, dass ich jetzt Ende Dreißig sei. Und irgendwie fühlt es sich nicht so zäsurartig an wie Anfang dreißig. Im Gegenteil, mit jedem Jahr mehr stellt sich eine immer tiefer werdende Gelassenheit ein. Weil bestimmte Werte doch nicht selbige sind und Zeitgenoss:innen, denen man vor Jahresfristen noch andichtete, dass sie ihr Leben ja so toll im Griff hätten und ihnen alles gelänge, vielleicht auch nur das Gesellschaftsspiel mitbetreiben. Der zufällige Blick hinter die Kulissen offenbart, dass sie an genau den gleichen Fragen knabbern, mit ihnen hadern und auch nur von Zeitfenster zu Zeitfenster schauen. Weil ihnen niemand die Cheatcodes für perfekte Existenz mitgeteilt hat. Und wenn doch, dann nur auf Kosten anderer Personen.

Als mein Vater vor fünfeinhalb Jahren starb, war das ein gewisser Zäsurpunkt. Gar nicht in einem Sinne, dass ich mich selbst zum endgültigen Erwachsenwerden aufgefordert habe. Sondern dass es einfach passierte. Speziell die zwölf Monate danach waren von Veränderungen geprägt, die sich besonders beruflich niederschlugen. Dort habe ich ein neues Level erreicht, welches anfangs nur sehr mühevoll und mittlerweile deutlich einfacher erreicht wurde. Mittlerweile habe ich gelernt, dass alle nur schauspielern und es dem persönlichen Moralkompass nicht schadet, wenn man auch etwas Selbstmarketing betreibt. Dennoch habe ich nie übertrieben und werde nie übertreiben, das ist nicht mein Typ. Und damit lebe ich sehr gut.

Da die Liebste mir etwas voraus ist, weiß ich seit Kurzem, dass auch Anfang Vierzig kein Zustand ist, in dem man morgens aufwacht und alles in Frage stellt. Das wäre auch nicht meine Natur. Wir werden einfach achtsamer für Details, sie ist mir da aber meilenweit voraus. Das ist unfassbar erdend, gibt Halt. In einer immer lauten und gefühlt täglich neu fragilen Welt ist das wesentlich, vor allem wenn ständig neue Opportunitäten propagiert werden und man als junger Mensch vermutlich nahe dem geistigen Ausnahmezustand sein muss. Es ist gerade zu wohltuend, jetzt nicht zwanzig Jahre jünger zu sein und sich diesem Irrsinn während der parallel stattfindenden Persönlichkeitsbildung unterwerfen zu müssen.

Morgen wird ein Tag sein wie heute und übermorgen, wie gestern und die Woche zuvor. Aber ich werde wieder einen Schritt näher an der Erkenntnis sein, dass die Gelassenheit größer wird. Darauf freue ich mich.

Bitte hört auch das Album (mit dem wunderschönen Namen “Die Kernseife der Medaille”) und alles Andere von DAS PACK. Es ist alles sehr gut, ich schwöre.

08.04.2023

Mittlerweile ist Facebook ja eher eine Ruine, in der nur zwischen “Junggebliebenen” und verwaisten Accounts unterschieden werden kann. Mein Account gehört zur zweiten Kategorie, er existiert nur noch für berufliche Zwecke (falls sich Kunden von uns wünschen, dass ich sie operativ dort unterstütze) - alle privaten Inhalte habe ich gesichert und dort gelöscht.

Gelegentlich schaue ich aber doch mal rein, so ungefähr alle paar Monate, wenn der Zähler an neuen Ereignissen mal wieder massiv hochgegangen ist. Meistens haben die immer gleichen zwei Accounts etwas gepostet, es gab ein Event, dass mir auf anderer Ebene mitgeteilt worden war oder mir werden völlig unbekannte Personen als potentielle Freund:innen vorgeschlagen. Meistens ist der erste Post, den ich zu Gesicht bekomme, ein politisch aufgeladenes Thema. Rundfunkbeiträge, Steuern, irgendwelche “Zwangsabgaben” - you name it. Die Diskussionen sind intensiv, von äußerster Emotionalität geprägt und gehen über Tage. Oftmals sind die sachlichen Argumente in der Minderheit, immer öfter werden sie erst gar nicht geäußert. Die perfekte Echokammer, in der krude Ansichten hervorragend gedeihen.

Mir stellt sich dann immer die Frage, wie man sich regelmäßig den Tag mit solchen Themen versauen kann. Und was die Menschen mit der Energie anfangen könnten, wenn sie nicht ihren Frust ins Internet schreiben, nur im Elfenbeinturm verharren. Aber auf dem eigenen Hintern sitzen bleiben und im Internet pöbeln ist wohl bequemer. Das einzig Schlimme für die Connoisseure der Opferdialektik muss sein, dass ihre Reichweite tagtäglich sinkt. “Draußen” ist es nämlich viel schöner als bei Gesäßbuch.

06.03.2023

Unlängst tauchte bei mir ein freundliches, aber bestimmtes Schreiben des hiesigen Finanzamts auf. Darin wurde ich gebeten, für die Jahre 2019-2021 doch binnen einer gewissen Frist Steuererklärungen zu tätigen. Mich stresst sowas, weil ich von der Materie wenig verstehe und immer das Gefühl habe, dass ich aufgrund der Unwissenheit dann (vermeidbare) Fehler begehe.

Vorgestern packte mich dann der Erledigungswunsch und ich habe die notwendigen Belege sortiert und mit Steuerbot alles durchgearbeitet. Weil ich schon dabei war, habe ich 2022 auch erledigt. Wenn die Berechnungen von Steuerbot stimmen (davon gehe ich aus, denn das ist ja deren Geschäftsmodell), habe ich für 2021 zwar etwas nachzuzahlen, aber in Summe ergibt sich ein Plus für mich. Insofern hat sich der Aufwand vermutlich gelohnt. Und das ist ja ein netter Zufall.

04.12.2022

Nachdem ich Fuchs euch mit dieser Überschrift ausreichend provoziert habe, kann ich die entstandene Aufmerksamkeit für die (in meinen Augen relevante) Ankündigung nutzen, dass ich meine Überlegungen aus dem letzten Post in die Tat umgesetzt und eine eigene Mastodon-Instanz (nur für mich) aufgesetzt habe. Mein Mastodon-Handle ist seit gestern @densco@social.densco.net.

An dieser Stelle ein großer Shout-Out an Weingärtner IT-Services, Markus leistet für das Fediverse einen großartigen Beitrag und bietet niedrigschwellig einen guten Einstieg für Menschen, die ohne viel Gewese eigene Fediverse-Instanzen an den Start bringen möchten.

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