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Zuverlässig ist das Wetter, wenn es das Gegenteil vom Erwarteten vollbringt. Zwei Wochen nachdem wir alle uns über weiße Weihnachten gefreut hätten, bekommen wir die volle Packung Schnee. Unnötig, denn jetzt muss man allerorts arbeiten und reisen. Oder Faslamswagen bauen. Mal ganz abgesehen von den Hochwassergebieten, die sich sicherlich Gedanken um die Schneeschmelze machen. Denn das wird die Lage nochmals dramatisch verschärfen. Hier ist trotz der Nachbarschaft zur Elbe noch einigermaßen Entspannung, einige Keller liefen voll. Hoffen wir, dass es so bleibt.
Stuhlgeschichten
Am vorletzten Arbeitstag 2023 ging mein bisheriger Bürostuhl zu Bruch, was timing-mäßig kein Dramaturg sich hätte besser ausdenken können. Den letzten Tag bestritt ich auf einem Modell der alten Esszimmer-Kultur: rustikal, nicht vollends bequem. Dieser eine Tag hatte gereicht, dass ich eine Neuanschaffung ins Auge fasste.
Nachdem ich das Problem fast den ganzen Urlaub über aussaß (höhö), habe ich vorgestern geordert und in der nächsten Stunde wird der Nachfolger da sein. Preisgünstig und angeblich doch wohltuend für alle Wirbel, zudem mit einer Nackenstütze. Da ich aber bisher in regelmäßigen Abständen alle Stühle klein kriegte, gehe ich davon aus, dass auch das Modell mich wohl maximal 3-4 Jahre begleiten wird. Ein Stehschreibtisch wäre eine Alternative, aber das ist vom Platz her nicht drin und ich will kein absurd kleines Modell, auf dass nicht mal der Monitor passt. Homeoffice ist doch manchmal eine Plage.
Social Media must die
Nachdem Elon Musk bewiesen hat, dass Vermögen und Unvermögen gleichermaßen eine Person kennzeichnen können und er Twitter X tagtäglich näher Richtung Erdkern fährt, hat sich in der Netzgemeinde immer noch der irrige Wunsch nach “Aber wie früher”-Alternativen manifestiert. Mittlerweile gibt es ja reichlich Auswahl, Cross-Posting auf den verschiedenen Kanälen ist der neue Trend. Für den überwiegenden Teil der Menschen in Deutschland ist Threads seit drei Wochen neu, sie hatten es vor der zwischenzeitlichen Pausierung aufgrund der “Bedenken” nicht rechtzeitig reingeschafft.
Auch ich habe mir Threads angeschaut und habe schon nach kurzer Zeit attestiert, dass das so ein Schuss in den Ofen wird. Die “Für dich”-Timeline ist eine einzige Zumutung von teils ekelhaften Aussagen, bei der sich manche Protagonist:innen gerade zu darin überbieten, wer die nächste blockierungs und meldewürdige Grütze von sich gibt. Trotz massiver Block-Aktivität meinerseits rutschten jeden Tag neue “Perlen” dieser Art nach, mittlerweile muss ich 200+ Accounts gesperrt haben. Problematisch ist auch, dass aufgrund des Hypes viele solcher oft misogynen Takes direkt viral gehen oder jemand anders den Mist mit einer “Gegenrede” repostet. So oder so: Threads ist in wenigen Tagen so anstrengend geworden wie Twitter kurz vor der Musk-Übernahme.
Es ist offenkundig, dass vielen Personen dort die Möglichkeit der Reichweite nicht bekommt und sie diese liebend gerne für Provokationen oder den traurigen Beweis mangelnder Reflektionsfähigkeit zu nutzen. Dem Problem kann man nur durch eine Fragmentierung beikommen, denn offenkundig sind nicht die Plattformen an sich schuld (die Algorithmen sind ja auch nur so gut oder schlecht, wie man sie füttert), sondern die Personen und Inhalte. Das macht aus dem rabbit hole das shit hole.
Und das Fediverse? Ist das nicht auch Social Media? Für mich ist da eine Abgrenzung, weil ich die Infrastruktur dafür ja selber vorhalte (bzw. vorhalten lasse) und mein eigener Herr bin hinsichtlich der Frage, mit welchen anderen Instanzen meine eigene Instanz föderiert ist. Den Begriff “Personal Media” finde ich dafür geeigneter, gemeinsam mit dem Blog ist das eine unabhängige und nachhaltige Umgebung ohne auf das Wohlwollen Dritter angewiesen zu sein. Ich habe in den über fünf Jahren auch nur eine Person blocken müssen, die ganz offensichtlich ein Troll war und anonym Stress machte (dann aber ebenso schnell von der Instanz geblockt wurde wie sie sich dort anmeldete). Das hat sich organisch geregelt, sowas würde man bei X, Meta und wie sie alle heißen kaum erleben. Noch ein Grund mehr, sich von diesen Plattformen zu lösen.
Eines meiner Ziele für 2024 ist es, Social Media aufs absolute Minimum zu reduzieren und Personal Media dafür in allen Bereichen zu verankern. Sowohl in den Tools als auch im Austausch mit Menschen. In den letzten Jahren habe ich schon coole Personen kennen gelernt, denen Viralität ebenso gleich ist und mit denen jede Interaktion Freude macht. Und das ohne sich vor größtmöglichen Publikum zum Affen zu machen, sondern einfach indem man ähnlich gelagerte Interessen hat oder spannende Dinge teilt. Dafür verzichte ich sehr gerne auf “Social Media”.
Vier Teelöffel Apfelmus
Heute habe ich das erste Mal Kuchen gebacken, der vom Standard-Marmorkuchen abweicht, den ich sonst mache. Da wir nur noch zwei Eier hatten, habe ich anstelle der fehlenden zwei Eier Apfelmus hinzugefügt. Der Kuchen kühlt noch ab - ich kann also noch nicht sagen, ob ich mengenmäßig gut agiert habe. Denn zu viel Apfelmus sorgt dafür, dass aus dem eigentlichen Bindemittel ein beeinflussender Geschmack wird. Und darauf habe ich nicht so Lust.
Vorm Einschlafen (wieder nach Mitternacht, shame on me), hatte ich mich ins Werk von Anton Bruckner reingehört. Um die Zeit damit anzufangen ist natürlich eine Schnapsidee, aber wann sonst kann ich das ohne Reue tun als im Urlaub?
Mit einer Mail teilte mir Amazon mit, dass Prime Video nun auch den Weg der Enshittification beschreitet. Zusätzlich zum Grundpreis und dem immer öfter fällig werdenden Beträgen fürs Leihen oder Kaufen von Filmen (das Angebot wurde in den letzten Jahren ja beträchtlich ausgedünnt), möchte Amazon ab dem 5.2. monatlich 2,99€ zusätzlich, wenn sie einen dafür mit Werbeunterbrechungen verschonen. In den Feeds sah ich schon die ersten “Kündigung ist raus”-Posts, ganz abwegig ist der Gedanke nicht. Denn im eigentlichen Sinne ist dies eine Preiserhöhung um vierzig Prozent, seit meinem Erst-Abo 2015 sogar 257%. Durch die frühzeitige Ankündigung haben wir aber noch einen Monat Zeit, um uns zu entscheiden. Im Zweifel etablieren wir die zu linearen Programmzeiten bereits erfolgreiche Biopause.
Entrückte Jahresblicke
Mit dem gestrigen Abend haben wir die Raclette-Saison 2023/2024 beendet. Die Ursache liegt weniger in der Verfügbarkeit von Zutaten (mit dem noch vorhandenen Raclettekäse könnten wir sicherlich ein Fondue ausstaffieren), sondern eher in der mühseligen Reinigung von Grillplatte und Pfännchen. Es ist eine gelinde gesagt scheiß Arbeit und man schwankt zwischen “jetzt nochmal richtig hart schrubben” und “aber die gute Beschichtung”. Vermutlich ist das auch der wesentliche Grund, warum sich Raclette niemals für den alltäglicheren Gebrauch durchsetzen wird.
Der Tag begann kurz nach Mitternacht mit einem unverlangt eingesandten Jahresrückblick von Lieferando, dank dem ich nun weiß, dass Auslieferfahrer:innen im Jahr 2023 22,69 Kilometer fuhren, um uns bestellte Speisen zu liefern. Was ich mit dieser Information soll, weiß ich nicht. Vermutlich fand ein gewitzter Marketing-Guru, dass man die Disziplin “Nutzlose Fakten individuellen Verhaltens” nicht allein Spotify überlassen sollte. Meinem eh schon mehr als kaputt konfigurierten Schlafzyklus hat das neu erlangte Wissen nicht gut getan. Den Rest des Urlaubs werde ich nun sehr verzweifelt versuchen müssen, wieder mehr dem gesellschaftlich erwarteten Werktags-Wach entgegen zu kommen.
Im weiteren Verlauf schauten wir das im ZDF gelaufene Neujahrskonzert von gestern nach. An sich wollte die Liebste es wegen der Eröffnung des Bruckner-Jahrs sehen, es kam aber nur ein eher belangloses Stück vor. Der Rest war in Hauptsache Johann Strauß und seinen Nach- und Nebenkommen gewidmet. Das Verhalten des Publikums in Sachen Beifallsbekundungen zeigte allerdings deutlich auf, dass die Zahl der Klassikfreunde durch die der High Society-Verpflichteten deutlich überstiegen wurde. Zudem kamen uns die zwischendurch eingeblendeten Darbietungen des Wiener Staatsballets wie ein Fiebertraum vor, ansonsten war das Konzert aber in Ordnung.
Ansonsten schaute ich mir noch verschiedene Static Site Generatoren an und verfluchte meine Faulheit beim Erlernen von HTML, CSS und JS. Was könnte ich für hübsche Dinge anstellen, wenn ich das wirklich könnte. So bleibt nur das Gefühl einer andauernden Unzufriedenheit, die nie wirklich aufgelöst wird. Vielleicht muss ich doch nochmal an das Thema, mir ist jedoch die beste Art des Zugangs unklar. Probiert habe ich da Einiges, aber bisher war keine Methode erfolgreich. Das sollte ich ändern, denn grundsätzlichen Spaß an der Thematik hätte ich schon.